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Basel II


 

Seit 1988 sind Kreditinstitute verpflichtet für gewährte Kredite eine Sicherheit in Form von Eigenkapital der Bank zu hinterlegen. Damit sollen Konkurse von Banken durch Zahlungsausfälle insolventer Unternehmen vermieden werden. Derzeit muss 8% der Kreditsumme besichert werden, unabhängig von der Bonität des Kreditnehmers (Basel I).

Im Rahmen der Eigenkapitalvereinbarung Basel II, welche zum 01.01.2007 in Kraft tritt, wird die Höhe der Sicherheit differenziert. Für Kredite, welche nur schwach risikobehaftet (1,6 %) sind muss weniger hinterlegt werden, als für Kredite mit hohen Risiken (für insolvenzbedrohte Unternehmen: 12 %). Die Kosten für einen Kredit werden zukünftig also abhängig von der prognostizierten Rückzahlungsfähigkeit des betreffenden Unternehmens sein.

Um die Risikolage einschätzen zu können, werden „Ratings“ der einzelnen Unternehmen durchgeführt. Der Ausdruck kommt vom englischen „to rate“, was bewerten oder einschätzen bedeutet. Es wird also die Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers anhand verschiedener Faktoren bewertet.

Die deutschen Banken planen, entsprechende Ratings selbst durchzuführen. Zumeist wird die Bonität der Unternehmen auch heute schon bewertet, ohne dass dies dem Kunden mitgeteilt wird. Da die Kreditvergabe-Praxis der Bank-Mitarbeiter selber auch überprüft werden, helfen auch „gute Beziehungen“ zum einzelnen Mitarbeiter wenig, wenn die vorliegenden Daten nicht ausreichend sind. Im Rahmen des Rating-Prozesses werden die so genannten harten und weichen Faktoren eines Unternehmens analysiert und bewertet. Ein besonderes Augenmerk liegt natürlich auf den harten bzw. quantitativen Fakten, also den Daten der Jahresabschlüsse, der Unternehmensplanung- und Entwicklung. Zu den weichen oder qualitativen Fakten zählen Branchenzugehörigkeit, Qualität des Managements, Nachfolgeregelung und Unternehmensorganisation. Die Gewichtung der Faktoren für das interne Rating ist bei jeder Bank ein wenig verschieden, die untenstehende Auflistung kann als grobe Richtlinie gesehen werden.

Finanz-, Ertrags- und Vermögenslage des Unternehmens

ca. 50%

 

Branchen-, Markt- und Wettbewerbssituation

ca. 20%

Controlling, Planung, Steuerung, Qualität des Managements

ca. 20%

Informations- und Kontoführungsverhalten, Qualität der Geschäftsbeziehung zur Bank

ca. 10 %

Zunächst werden zur Abschätzung der Finanz- bzw. Vermögenslage die Bilanzen, die GuV und BWA der letzten Geschäftsjahre ausgewertet und Kennzahlen errechnet. Wichtig sind hier u. a. die Eigenkapitalquote, die Gesamtkapitalrentabilität, der Cashflow und die Schuldentilgungsdauer. Diese werden mit den Zahlen anderer Unternehmen verglichen. Hinzu kommen Quartals- und Planzahlen. Bei Existenzgründern wird alternativ der Businessplan bewertet.

Zur Einschätzung der Branchen- und Marktsituation werden von den Kreditinstituten Branchenreports zu Rate gezogen. Daneben sind Auftragslage, Konjunkturabhängigkeit und Markttrends relevant.

Im Bereich Controlling und Steuerung stehen die fachlichen und kaufmännischen Fähigkeiten der Geschäftsleitung ebenso im Fokus wie das Vorhandensein eines gut funktionierenden Controllings mit einer Planung für die nächsten Jahre. Daneben hilft oft auch eine geregelte Unternehmensnachfolge bei der Erzielung eines guten Ratings. Weiter hilfreich sind eine Kostenstellenrechnung, ein Berichtswesen und ein wirksames Risikomanagementsystem (RMS). Ein gutes Liquiditätsmanagement, die zeitnahe Rechnungsstellung und ein organisiertes Mahnwesen sollten auch nicht unterschätzt werden.

Der letzte Punkt ist das Verhalten des Kunden der Bank gegenüber. Fragestellungen hierbei sind die Kontoführung, evtl. Überziehungen des Kreditrahmens und das Informationsverhalten. Eine kontinuierliche Informationspolitik bezüglich der Entwicklung des Unternehmens ist also immer hilfreich, auch wenn Sie momentan keinen Kredit benötigen.